Meine Stadt und ich

Ich bin viel unterwegs. Immer zu Fuss. Die Antennen ausgefahren. Geht nicht anders. Ich habs versucht. Berufskrankheit vielleicht. Eher Wahn. Ein affektive Störung. Eine Manie.

Ich fotografiere. Alltägliches. Absurdes. Banales. Auch dann, wenns nicht in einem Bild endet. In meinem Kopf hab ich es quadriert. Die Welt sieht so klarer aus. Hat eine Rahmen, der sie hält.

Ich gehöre zu denen, die an der Bushaltestelle einen Schritt zur Seite machen, weil dann das Bild vor ihnen stimmt. Geordnet. Ich wechsle die Strassenseite; auch wenn es Umwege bedeutet. Es macht keinen Sinn. Das Licht führt mich dahin.

Das tue ich seit Jahren. Die gleichen Wege. Die gleichen Orte. Die gleichen Begegnungen. Das schafft Bindung. Zwischen dir und den Wegen. Zwischen mir und den Menschen. Immer die gleichen. Am gleichen Ort. Der gleiche Kaffee.

Ich spüre sie immer weniger.
Meine Stadt und ich; wir verlieren uns langsam.

Es ist, als läge ein Schleier über der Stadt. Die Dinge haben an Farbe und Kontrast verloren. Ich sehe es auf den Bildern. Die in meinem Kopf. Die, deretwegen ich den Schritt zur Seite kaum noch mache.

Ich versuche da zu bleiben. Gedanklich, meine ich. Das gelingt nicht immer.
Da ist zu viel. Die Nachrichten meide ich zunehmend. Sie erreichen mich dennoch. Da ist der Iran. Da sind Bilder, Stimmen und Zahlen. Zahlen und Schweigen.

Ich mache mir Sorgen. Nicht um mich. Nicht um das Finanzielle. Das hab ich alles schon gehabt. Das geht schon. Ging immer. Ging von vorn los. Wurde besser. Ich mache mir Sorgen, um uns. Um das “danach”. Um die Freiheiten und die Kämpfe, die uns dann bevorstehen.

Vom Bildschirm aus betrachtet ist die Welt chaotisch. Hier kann ich sie nicht ordnen. Ihr keinen Rahmen geben, der sie hält. Ich muss raus. Ich muss es mit euch.