Am anderen Ende…

Sie sitzt am anderen Ende der Linie. Sie hat angerufen, weil sie weder ein noch aus weiss. Sie ist 34, ihr Partner 36, und beide hat’s erwischt. Sie sind, zusammen mit ihren beiden Kindern (3 und 5) in einer 31/2-Zimmer Wohnung. Nein, Ihr Zustand ist nicht soooo besorgniserregend. Etwas über 38 Grad Fieber. Sie müssen in Quarantäne bleiben, Beide Eltern sind schlapp und mögen sich kaum in die Küche schleppen. Aber da sind zwei Kinder… Nein, wirklich Angst haben sie nicht, sie gehören nicht zur Risikogruppe. Aber eine Frage quält sie: was geschieht mit den Kindern, wenn sie doch hospitalisiert werden sollte. Was geschieht mit den Kindern, wenn doch wider erwarten der Virus gewinnt?
Wir haben Soforthilfe für fast alle. Die Wirtschaft, vor allem die grossen Unternehmen, sie werden profitieren. Kleine kommen vielleicht etwas eher über die Runden. Für Junge gibt es Videokonzerte und Partys.
Sie sitzt am anderen Ende der Linie. Ich musste sie wieder anrufen. Leider, so muss ich ihr sagen, konnte ich nicht herausfinden, was mit den KIndern geschehen würde. Ich habe rumtelefoniert, gesucht gefragt. Kinder? Von Kranken? Nein, dazu können wir nichts sagen… Oder dann: zuerst brauchen wir eine Kostengutsprache, dann können wir abklären ob es geht…
Die Kinder: für sie gibt es keine Soforthilfe. Sie sind kein Thema. Vor allem nicht die Kinder , die mit einer 6köpfigen Familie irgendwo in einem Block leben.
Sie ist wieder am anderen Ende der Linie. Das Fieber hat nachgelassen. Nochmals Glück gehabt. Sie sagt: warum wird immer gesagt, es könne nur ältere Menschen erwischen? Keiner weiss.