Viel Zeit, aber kein Fussball

D Schützi vermissi. Und mis Team.
Ich spiele im Kopf das allerletzte Training vor dem Lockdown ab, an einem Freitag. Das war der Abend, an welchem mir erst richtig bewusst wurde, was für ein Ausmass diese Virus-Krise haben wird.

Freitagabend. Heute wird das Training nicht ganz so streng. Heute wird wahrscheinlich viel gespielt. Und vielleicht Schusstraining. Geil.
Ich bin die Erste, weil ich Materialdienst habe. Bälle pumpen, Wasserflaschen füllen. Aber irgendwie ist heute was anders. Die Jungs der ersten Mannschaft gehen fleissig und mit Taschen bepackt im Eingang hin und her, zu den Garderoben und zurück. Ich sammle gerade das Material zusammen und binde mir die Schuhe. Sie grüssen mich freundlich, wünschen mir schöne Ferien. Schöne Ferien? Ich check noch gar nichts. Aber ich grüsse natürlich zurück. He, gliichfalls, mässi. Ciao. Macheds guet. In meinem Kopf lauter Fragezeichen. Die haben doch Spiel am Sonntag? Langsam wird mir unwohl. Das ganze Kader geht an mir vorbei, einer nach dem anderen. Am Schluss Raphael Spiegel, der Goalie. Er dreht sich kurz zu mir um: “Ihr habt noch Training?”, fragt er mich. “Äh, ja. Glaub schon.” Ich bin ein bisschen unsicher. Da lächelt er und sagt: “He, gnüsseds demfall na. Und dänn schöni Ferie.” Scheisse, der meint das ernst. Der sollte doch lieber noch ein paar Tore halten, und schiessen (!), am Sonntag.
Unsere Trainerin steht plötzlich neben mir, ihr Gesichtsausdruck verrät alles. Langsam versammeln sich auch meine Teamkolleginnen. Dann die Info: Heute ist das letzte Training. Nicht mal trainieren dürfen wir? Nein. Wann es weitergeht? Keine Ahnung.
Das Positive: Wir dürfen wählen, was wir im Training machen. Natürlich, spielen. Ein paar coole Schussübungen. Aber viel “mätschle”. Machen wir so.
Es sind wunderschöne Tore, die wir an diesem Abend schiessen. Grossartige Paraden unserer Torhüterin. Tolle Stimmung, weltklasse Flanken, Pässe, die genauer nicht sein könnten. Motivation, Power, alle sind voll dabei. Und ich denke die ganze Zeit: Mann, wären wir parat für die Saison.
Da stehen wir nun also auf dem Platz, eine Woche vor Saisonbeginn. Mit guter Kondition, viel Ballgefühl und riesig Bock auf Punkte.
Und dann müssen wir zuhause bleiben. Verständlich, und wichtig. Aber mann ey.

Ich vermisse mein Team. Und d Schützi. Ich möchte einfach den Fussball zurück, am liebsten jetzt.
Aber ja – demfall schöni Ferie.