Isch das de Freddie?

Aktuell kursiert eine Corona-Version von “Bohemian Rhapsody” in den sozialen Netzwerken.

“Isch das de Freddie?”, höre ich meine Töchter fragen, während Mama und ich zu “Coronavirus Rhapsody” mitsingen. Es ist die Lieblingsplatte unserer Kleinen. Das Original natürlich. Dazu wird gern und oft getanzt.

Auch jetzt zur neuen Version.

Unweit unserer Wohnung sind mehrere Spielplätze abgesperrt. Warum das so ist, muss ich inzwischen nicht mehr erklären. “Gell, de Virus isch auch da anecho!?” So in etwa. Wir schauen “Es war einmal das Leben” auf Youtube. Blutkörperchen in Polizei-Ähnlicher Kleidung bekämpfen Viren. Nicht alles wird direkt verstanden. Aber, dass da etwas ist, vor dem wir uns in Sicherheit bringen sollten: Das kommt an. Die Hände werden gewaschen und die Wege zu Fuss gegangen. Kein Bus. Kein Zug.

Keine Oma.

Dass die Grosseltern, die sie sonst wöchentlich zu sehen bekommen, nicht da sind, fällt allerdings in eine andere Kategorie. Zu der zählen auch die Tante, die Freunde im Chindsgi, die Erzieherin, der Weg dahin und die Abenteuer, die er mit sich bringt.

Meinem Kind wird dieser Tage etwas genommen.

Corona hat aber auch seine Vorteile. Wir sind da. Alle und das immer. Gemeinsam frühstücken, Mittags am selben Tisch. Gute-Nacht-Geschichten, denen alle lauschen. Hatten wir nicht immer, haben wir nun immer. Das ist schön und da die Zeit ohnehin schneller rast, als es einem lieb ist, geniesse ich diese Momente, die wir zusammen haben. Als Kind hatten meine Schwester und ich diese Erfahrung nie. Da waren die Nachkriegsjahre. Kriegsgefangenschaft. Da war Flucht und Trennung der Familie. Da war viel.

Die stetige Unsicherheit ist Teil meiner Familiengeschichte.

Vielleicht bin ich deshalb innerlich so ruhig?! Weil das Ungewisse lang Bestandteil meines Lebens war. Vielleicht geht es den meisten Migranten so. Wir kennen das Nichts und die meisten von uns haben Krisensituationen durchlebt. Man hält es aus und arrangiert sich. Ging früher in den abgesperrten Asylheimen und Baracken auch.

Schön sind die Dinge, die dabei entstehen. Menschen reichen einander die Hand. Nicht wörtlich natürlich, aber ihr versteht. In Winterthur war der solidarische Geist auch vorher schon vorhanden. Man spürt ihn, wenn man die Stadt eine Weile auf sich wirken lässt. Man spürte ihn während der letztjährigen Musikfestwochen. Das zeigt sich dieser Tage umso deutlicher. Das ist schön und macht uns allen, die wir auf das Übel noch warten, Mut.

Freddies Nachahmer zähl ich dazu. Sie lassen uns singen, lachen, den eingeschränkten Alltag geniessen. Bis es vorbei ist, tanzen wir also und singen:

“Mamaaaaaa
I don’t want to die
I Sometimes wish
I never went out at all”