Corona Tagebuch – Teil 2

\”Meistens ist das Alleinsein nicht schwierig, weil wir allein sind, sondern weil wir uns allein in dieser Situation fühlen, unverstanden, zurückgelassen von der Welt. Denn diese dreht sich normalerweise einfach weiter, ungeachtet dessen, was in den individuellen Leben passiert. Es hilft, um weiterzumachen, zur ?Normalität? zurückzukehren. Aber es lässt einen häufig einsam zurück, gefangen in diesem Käfig, den sich niemand selbst aussucht. Denn Normalität bedeutet vielfach nur, dass man wieder zur eigenen erwarteten Leistungsfähigkeit zurückfindet, den Normen der Gesellschaft entsprechen kann, auch wenn wir vielleicht Zeit zur Verarbeitung brauchen würden und die Rückkehr zur Normalität nur bedeutet, dass wir die Verarbeitung aufschieben. Zurück zur Norm auf Kosten unserer Trauer, Gefühle, Zweifel, die gelebt werden sollten.

Dies ist in dieser Situation anders, weil wir alle und die Welt um uns stillsteht (ausser natürlich bei den Menschen, die weiter um den Erhalt unserer Infrastruktur und unsere Gesundheit kämpfen, ich kann euch nicht genug danken!). Und dies lässt Solidarität aufleben, Mitgefühl und Fürsorglichkeit, die einem ein Gefühl der Menschlichkeit, des Menschseins zurückgibt.

Ich fühle mich so verbunden, geborgen, wie schon lange nicht mehr. Das ist eigentlich paradox, weil physische Kontakte so fest unterbunden werden, wie ich es noch nie erlebt habe in meinem Leben. Einen Teil zu diesen wertvollen menschlichen Beziehungen habe ich selbst beigetragen. Ein grosser Teil hängt jedoch mit der psychischen und physischen Verfassung, der allgemeinen Lebensumstände und Möglichkeiten zusammen.

Ich bin heute (mehr denn je) dankbar für die Menschen in meinem Leben, die so unglaublich toll sind, dass sie mit meinen Unzulänglichkeiten und schwierigen Situationen über die Jahre klar gekommen sind, aber auch dafür, dass es meine psychische und physische Verfassung und meine Lebensumstände erlaubt haben, dass ich diese Beziehungen erhalten konnte. Es ist niemals nur eine Frage der eigenen Mühe und Liebenswürdigkeit, dass wir Menschen in unserem Leben haben, für die es sich lohnt zu kämpfen, für die es sich lohnt zu leben.

Ich denke mit Liebe an diese Menschen, die durch ihre Krankheit nur schon froh sind, wenn sie den nächsten Tag schaffen. An die Menschen, die jeden Tag aufstehen & nicht wissen, wie sie für sich und/oder ihre Lieben sorgen können, deren Kraft nur für das Überleben reicht und viele menschliche Beziehungen darunter leiden oder aufgegeben werden mussten. Menschen, die kein Zuhause haben, in das sie sich zurückziehen können. Menschen, die alles hinter sich gelassen haben, um sich und ihre Familie zu retten, jeden Tag um?s Überleben und ihre
Existenzberechtigung kämpfen.

Wir sprechen davon, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. Im Boot wurde bisher nur denjenigen Platz gemacht, die in unserer beschränkten Blase existieren. Es sollte Platz haben fu?r alle Menschen. Dann sitzen wir alle im gleichen Boot.

In Liebe,
Leila