Corona Tagebuch – Teil 1

Es ist der dritte, erst dritte Tag, an dem alle Restaurants, Bars, Kinos, Kleiderläden etc. geschlossen haben. Ich schreibe diese Worte, damit wir uns, wann immer, an diese Zeit erinnern können. An eine Zeit, in der wir uns nicht mehr frei bewegen konnten. An eine Zeit, in der wir um unsere und die Gesundheit unserer Mitmenschen bangen mussten. Es ist ein komisches Gefühl, dass wir nun sicherlich (mindestens) fünf Wochen zuhause verweilen müssen, im Home Office und mit virtuellem Lernen an der Uni/Schule, abgesehen von den Menschen, die (danke euch!!!) weiterhin arbeiten gehen müssen.

Ich kann mir noch nicht genau vorstellen, wie dies verlaufen wird. Schon jetzt verhalten sich viele Menschen, als stünde der Weltuntergang kurz bevor. Aber andererseits sehe ich auch eine nie zuvor dagewesene Solidarität und eine Gemeinschaft, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Menschen spenden, formieren Gruppen, um Risikogruppen zu unterstützen, werden auf Social Media zur Solidaritätsbekundung aktiv etc. Dies sind die positiven Seiten dieser Gesundheitskrise, die uns Kraft geben sollten für die kommende Zeit. Denn es wird schwer. Wir werden für eine lange Zeit eingesperrt und ohne viele soziale Kontakte auskommen müssen. Die Wirtschaft, die vielfach als Übel dargestellt wird (und in einigen Beispielen auch ist), aber auch Kleinunternehmen und andere selbständige Künstler bspw. umfasst, wird in höchstem Masse darunter leiden. So fest, dass wir die Konsequenzen alle noch lange spüren werden.

Uns stehen schwierige Zeiten bevor. Es ist jedoch auch eine Chance. Eine Zeit des Wandels, aber auch des Lernens, des Wachsens, des Seins. Zu sein haben wir schon lange verlernt. Ich hoffe, dass wir dies in dieser Zeit wieder erlernen können. Lernen, die kleinen Dinge zu schätzen. Lernen, Menschen in Berufen anzuerkennen, die viel zu wenig Wertschätzung erfahren.

Ich freue mich schon jetzt auf die Zeit danach. Die Feste, die wir feiern werden. Unsere Umarmungen und Küsse, Liebesbekundungen aus nächster Nähe. In einer Zeit, die fest von virtuellen Kontakten, Interaktionen und oberflächlicher Anerkennung lebt, schon vor Corona, werden wir uns umso mehr der Wichtigkeit der echten Kontakte im realen Leben bewusst werden. Der tiefen Beziehungen, die wir noch mehr pflegen und schätzen werden. Langsamer zu werden, Ressourcen zu schonen, uns auf das Wichtige zu besinnen.

Ich denke heute, noch mehr wie an anderen Tagen, an die Menschen, die kein Fest ?danach? feiern werden können. Die in Situationen gefangen sind, die sie nie so erleben wollten. Situationen, die wir nicht unseren wenig liebsten Menschen wünschen würden. Situationen, die nicht mit dem Ende der Covid-19-Krise enden werden. Menschen, die unabhängig von diesem Virus jeden Tag um ihr Leben und um ihre Existenzberechtigung kämpfen müssen. Wenn wir uns fragen, ob es fair ist, dass dieser Virus so viele Menschenleben fordert, müssen wir uns gleichzeitig fragen, wie wir Menschenleben als unwichtig behandeln können, die wir eigentlich retten könnten. Wir sind Menschen und eine Weltgemeinschaft. Nie wird das so deutlich, wie in einer globalen Gesundheitskrise. Vergessen wir nicht, dass dazu alle Menschen gehören. Ein Virus kennt keine Klassen, wir sollten dies auch nicht.

In Liebe,
Leila